Ein musikalisches Wander-Sprechtheater

Seit der Mensch sich als handelndes Individuum empfindet, hat der Tod nichts Tröstliches mehr an sich. Sein Erscheinen passiert immer unverhofft, kaum jemand ist bereit, sich ihm anheimzugeben, niemand ist auf ihn vorbereitet. Je »diesseitiger« sich eine Gesellschaft gibt, desto mehr wird die Existenz des Sterbens geleugnet und verdrängt.
So ist es nicht verwunderlich, dass es seit dem späten Mittelalter und seit der frühen Neuzeit bis heute immer wieder künstlerische Auseinandersetzungen mit diesem existentiellen Thema gegeben hat und geben wird. Zu jeder Zeit haben es Künstler als ihre Aufgabe angesehen, einer hedonistischen Gesellschaft ihr »Memento Mori!« - gedenke des Todes - zuzurufen.
 
Wir wollen uns diesen Fragen auf Basis des Bühnenstückes »Jedermann« von Hugo von Hofmannsthal nähern aber auch erkunden, was verschiedene Stimmen längst vergangener und heutiger Autoren und Komponisten uns zu dem Thema zu sagen und zu singen haben. Vom altenglischen Spiel des »Everyman« bis Bergmanns »Das siebte Siege«, von Bachs »Totensonntagskantate« über Brecht/Weils »Mahagonny Songspiel« bis zu Balladen von Tom Waits, von François Villon bis zu der Barocklyrik eines Gryphius oder bis zu Botho Strauß …
 

Die mittelalterliche Feldsteinkirche, der barocke Lehnschulzenhof, die weite Landschaft des Fiener Bruchs selbst werden zu Spielorten in der besten Tradition der alten Mysterienspiele. In der heutigen Zeit sind die Themen »Entschleunigung« und »Konzentration auf das Wesentliche« immer häufiger mit dem Gedanken an das Leben auf dem Land und in der Natur verknüpft. So wird auch Viesen mit seinem Lehnschulzenhof zu einem Sehnsuchtspunkt für viele Menschen – ein besonders geeigneter Ort also, sich auf spielerische Art und Weise den »großen«‚ Fragen der Menschheit zu nähern. Namhafte Schauspieler, Tänzer, Musiker, Sänger, Regisseure und Ausstatter treffen hier zusammen, um in nur einer Woche Probenzeit die Stücke für den Theaterfrühling zu erarbeiten. Das erfordert eine hohe Konzentration und den Mut zur Improvisation. Die Mitarbeiter der Produktionen steigen aus ihrem Theater-Alltag aus und erleben eine ganz besondere Atmosphäre – die Natur ist ein Schauspielkollege mit dem man sich auseinandersetzen muss.

Ein Stück über das Sterben – ein großes Fest des Lebens!

Wolf Widder